Wer braucht schon Englisch? oder: KVB informiert Fahrgäste zuviel

h1 18. Juli 2008, 15:02 Uhr von Jörn Wagner

Hintergrund: In den Sommerferien 2008 baut die KVB die Haltestelle Ebertplatz um, damit ein höhengleicher Einstieg in alle Linien möglich wird. Leider baut man dazu eine komplizierte Rampe mitten auf den Bahnsteig, der verbreitert wird, anstatt das eine Gleis etwas abzusenken. Aber ich bin kein Architekt, vielleicht geht das gar nicht. Jedenfalls kann während der Bauzeit ein Gleis nicht befahren werden, weshalb es Änderungen am Liniennetz gibt. Da man in der Vergangenheit (zurecht) viele verärgerte Kunden hatte, die sich vor solchen Baumaßnahmen schlecht informiert fühlten, hat man jetzt richtig aufgestockt und informiert Kunden, wo es nur geht. Vorbildlich, KVB! Aber dazu unten mehr …

Heute jedenfalls in der U-Bahn-Station „Kalk Kapelle“: Die Touristen-Durchsage auf englisch läuft, “Dear passengers…”. Ein Mann in den besten Jahren hört sich das zuende an und, wie es im Rheinland so Brauchtum ist, gibt natürlich sofort seinen Senf dazu:

„Jetzt müssen die das auch noch auf englisch machen! Seit drei Wochen geht das schon so! In London würd auch niemand auf die Idee kommen, eine deutsche Ansage abzuspielen! Wer versteht denn hier englisch? Ein paar vielleicht, aber die sind dann auch alles Deutsche. Typisch KVB, total überflüssig! Aber wir müssen uns das ständig anhören.“ Seine Begleiterin pflichtet ihm bei: „Stimmt, Russisch würd da eher helfen. Oder Türkisch!“

Wo ist’s passiert?

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Nach dieser kleinen Anekdote will ich noch ein bisschen weiter ausschweifen…

Die Informationspolitik der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) während dieser Umbauphase kann man nur als vorbildlich bezeichen. Neben den obligatorischen Aushängen an den Haltestellen, laufen alle paar Minuten an den U-Bahn-Haltestellen Ansagen, die auf die Veränderungen im Liniennetz hinweisen. Die Beschilderungen sind mit gelben Aufklebern überklebt, auf den Liniennetzplänen kleben ebenfalls Hinweise. Zusätzlich wurde noch die grottige Aussprache (und schlechte Übersetzung!) der englischen Ansage korrigiert und eine “native speakerin” herangeholt. In den Bahnen erfolgt eine Ansage bei jeder Haltestelle, an der sich Änderungen ergeben haben. So hört man z.B. nach “Nächster Halt: Barbarossaplatz”, dass man hier besser in die Linien 16 oder 18 umsteigen soll, wenn man zur Neusser Straße möchte. Gesprochen vom bereits aus den Bussen bekannten Text-zu-Sprache-System.

Es gibt da nur einen kleineren Verbesserungsvorschlag: Die Aufkleber auf den Liniennetzplänen verdecken teilweise große Teile des Planes, auch dort wo sich keine Veränderungen ergeben. In Paris machen sie es da cleverer: Während einer Baumaßnahme werden Aufkleber über den Plan geklebt, die den veränderten Ausschnitt an genau der Stelle platzieren, wo er im Liniennetz steht. So kann man die Pläne aktuell halten und nach der Maßnahme die Aufkleber einfach wieder entfernen.

Tschu-tschu,
der Jörn

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Ein Kommentar zu “Wer braucht schon Englisch? oder: KVB informiert Fahrgäste zuviel”

  1. [...] mit ein paar O-Tönen unseren sympathischen Stadtteils mit bunter kultureller Färbung: Wer braucht schon Englisch? Hirnverbräunt Erst Gammelfleisch, und jetzt [...]


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