Jörn ist jetzt auch ein feister Faun (Ubuntu 7.04 Feisty Fawn)
22. April 2007, 22:58 Uhr von Jörn Wagner
Nein, natürlich heißt Feisty Fawn lebhaftes oder angriffslustiges Rehkitz und ist nur die logische Weiterführung der Spitznamen für Ubuntu-Versionen, die immer aus einem Adjektiv und einem Tier bestehen und zwar immer mit demselben Anfangsbuchstaben, der seit Juni 2006 auch noch alphabetisch aufsteigend gewählt wird. Ich habe mir nämlich am Wochenende die Linux-Distribution Ubuntu (“afrikanisch” für “Menschlichkeit” oder “Gemeinsinn”) installiert und werde an dieser Stelle davon berichten.
Hier eine kleine Versionshistorie:
Ubuntu 4.10 – Warty Warthog
Ubuntu 5.04 – Hoary Hedgehog
Ubuntu 5.10 – Breezy Badger
Ubuntu 6.06 – Dapper Drake
Ubuntu 6.10 – Edgy Eft
Ubuntu 7.04 – Feisty Fawn
Ubuntu 7.10 – Gutsy Gibbon (kommt im Oktober 2007)
Da zeigt sich auch die Versions-Nomenklatur, nämlich Erscheinungsjahr als Major Version und Erscheinungsmonat als Minor Version. Macht sich auch besser als 1.0, 1.01, 1.2 etc.
So, jetzt aber zu meinen Erlebnissen. Ich hatte bisher schon viel Linux-Erfahrung, würde ich sagen, aber da ich einfach mit Windows aufgewachsen bin und mich dort mittlerweile sehr sehr gut zurecht finde und manches unter Linux eben doch nicht ohne Weiteres funktioniert, hatte ich bisher einen kompletten Wechsel auf meinem Laptop gescheut.
Angefangen hatte alles Anno 2000 mit SuSE Linux 6.4, welches ich auf meinem Heimcomputer installieren wollte, weil es ja angeblich viel schneller sei und nicht so oft abstürzen würde. Pustekuchen. War genauso lahm auf meiner 133 MHz Cyrix 686-Mühle und stürzte auch genauso oft ab wie Windows 98. Das hab ich dann ganz schnell wieder sein lassen.
Auf meinem Server läuft natürlich auch Linux (nach SuSE 8.2 jetzt SuSE 10) und dort bin ich auch sehr zufrieden damit. Aber da gibt es halt nichts Außergewöhnliches wie Videoschnitt oder P2P-TV zu tun und mit der Kommandozeile über SSH kenne ich mich mittlerweile sehr gut aus.
Einen weiteren Versuch gab es dann mit SuSE 8 auf einem alten 400er als meine Laptopfestplatte im Urlaub seine letzten Züge tat und dann keinen Boot mehr zuließ. Eigentlich gar nicht so schlecht, aber nachdem ich mein XP wieder sauber drauf hatte mit allen Programmen, wollte ich doch nicht mehr wechseln. Ein Kommilitone von mir hatte schon lange versucht, mich zu Debian zu bekehren, aber das war mir aus irgendeinem unerfindlichen und wahrscheinlich lächerlichen Grund suspekt.
Nachdem ich nun von der Arbeit einen ordentlichen Laptop (Thinkpad R60) ausgeliehen bekommen hatte und auf der CeBIT eine Ubuntu-CD abgestaubt hatte, dachte ich mir, probierste das doch mal aus. Also, Ubuntu 6.10 draufgezogen. Funktionierte eigentlich ganz reibungslos, ich hatte nur leider die Installationsanweisungen wohl falsch verstanden und die Windows-Partition anstatt auf 45 von 80 GB nur auf 65 von 80 GB verkleinert und mit der zweiten NTFS-Partition blieben dann Ubuntu nur noch 5 GB.
Das kann ich auch im Nachhinein leider nicht mehr ändern, weil die XP-Partition irgendwie nicht so richtig Lust dazu hat.
Dann habe ich den Fehler begangen, weil es gerade der 19. April war und Ubuntu 7.04 soeben rauskam, und habe ein Update von 6.10 auf 7.04 versucht. Der Laptop war stundenlang (bestimmt 5!) beschäftigt, um alle Pakete herunterzuladen und zu installieren. Leider gab es ein Problem mit dem WLAN-Treiber, ich musste immer den Schalter auf “aus” stellen beim Booten, sonst hat er kein Netzwerk gefunden. Außerdem funktionierte der Sound nicht auf Anhieb, aber mit einer Einstellung war das dann auch gegessen.
Ich wollte natürlich auch den schicken Fingerabdruckscanner ans Laufen bringen, damit ich vor allem beim sudo’en (Ausführen eines Befehls als Superuser, also mit Admin-Rechten) nicht immer mein 10-stelliges Passwort (mit Sonderzeichen, Groß- und Kleinbuchstaben und Zahlen!) eingeben muss. Habe es prompt total vermurkst und mich sowohl root-mäßig als auch bei der Benutzeranmeldung rausgehauen. Kam also gar nicht mehr rein. Das traf sich aber gut, weil ich ja ohnehin die Partitionierung neu machen wollte. Also, Feisty-Fawn-CD runtergeladen, gebrannt (übrigens, sehr schöne Brennsoftware, fragt mich gleich ob ich die ISO-Datei so auf CD brennen will oder nicht lieber entpackt das Abbild brennen will), neu installiert.
Wie gesagt, das mit der größeren Partition ging nicht, aber momentan reicht’s noch. Nach der Neuinstallation, ein Traum! Der WLAN-Treiber ging reibungslos (jetzt sogar mit schöner Balkenanzeige) und alles andere ist auch wunderbar. Habe auch gleich so schöne Sachen wie OnlineTVrecorder ausprobiert, kein Thema. Das heißt, doch. Zuerst wurden die Farben komplett falsch angezeigt, aber dank Fridtjof habe ich es hinbekommen.
Das ist sowieso eine sehr schöne Sache, bisher habe ich zu allen Fehlermeldungen Google-Ergebnisse mit hilfreichen Tipps gefunden. Danke, Community!
Ich konnte sogar problemlos meine Opera- und Thunderbird-Profile kopieren und mir so Zeit sparen. Was noch nicht geht und ich “unbedingt” noch brauche:
- TVUplayer
- Zweiten Bildschirm einfach ansprechen
Habe mir aber schon VirtualBox runtergeladen und werde wahrscheinlich das Windows-Image einfach immer in einer virtuellen Maschine laufen lassen.
Also, mittlerweile kann ich Linux nur empfehlen, solange es Ubuntu ist!
Gute Nacht,
der Jörn

Anmerkung: Merke gerade, als ich nachsehen will, ob mein Beitrag schon im Feed drin ist, dass meine Feeds beim Migrieren alle verschwunden sind.
Mist, jetzt muss ich sie alle manuell wieder abonnieren. Aber nur ein kleiner Wermutstropfen.
[...] Vielleicht sollten sich die Entwickler aber vom strikten Zeitplan lösen und lieber Versionen veröffentlichen, die ordentlich laufen. Andererseits kann es aber auch sein, dass ein Update der falsche Weg ist und ich lieber eine komplette Neuinstallation hätte fahren sollen. Schließlich hat schon bei meinem Ubuntu-Einstieg das einige Tage später veröffentlichte Update von 6.10 auf 7.04 nicht funktioniert und eine Neuinstallation hat Abhilfe geschaffen (mit Einschränkungen). [...]